Lingen Marktplatz
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Fachwoche Straffälligenhilfe

28. bis 30. November 2016 in Lingen.

 

Programm,

Organisation,

Tagungshaus

 

 

Wiedereingliederung straffällig gewordener Menschen als gesamtgesellschaftliche Aufgabe Der Titel der diesjährigen Fachwoche klingt einleuchtend pragmatisch. Dass manche straffällig gewordene Menschen Unterstützung brauchen und entlassene Strafgefangene wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden sollen, nachdem sie durch den Entzug der Freiheit bestraft eine Zeit lang ausgegliedert wurden, erscheint logisch. Man könnte sagen, Wiedereingliederung als Aufgabe stellt sich, weil unser Strafrechtssystem eine zeitweilige Exkommunalisierung durch einen Aufenthalt in einer Justizvollzugsanstalt vorsieht, die paradoxerweise auch gleich selbst auf ein straffreies Leben in Freiheit vorbereiten soll. Man kann auch feststellen, dass ein Ausschluss von gesellschaftlicher Teilhabe aber auch ohne Inhaftierung erfolgen kann. Aus arbeitsmarktlogischer Sicht erscheint eine Wiedereingliederung zeitweise ausgeschlossener Menschen geboten, zumindest wenn sie über entsprechende Qualifikationen verfügen oder ihnen diese vermittelt werden können. Aus Sicht christlicher Straffälligenhilfe steht die eigene Zuständigkeit nicht in Frage, es stellt sich aber die Frage nach Mitstreitenden.

Das Ansinnen einer möglicherweise sogar erfolgreichen gesellschaftlichen Wiedereingliederung setzt voraus, dass es ein breites Verständnis darüber gibt, von welcher Konstruktion eines gesellschaftlichen Modells ausgegangen wird. Die Vorstellungen darüber, wie sich eine Gesellschaft zusammensetzt, abgrenzt oder was eine Gesellschaft ausmacht, gehen durchaus auseinander, wie sich in den aktuellen politischen Auseinandersetzungen und irrationalen Kräfteverschiebungen zeigt. Auch darüber, was dann eine erfolgreiche Wiedereingliederung ist, gehen die Meinungen weit auseinander. Reicht es, jemandem das physische Überleben zu sichern oder gehört am Ende nicht doch viel mehr dazu? Könnte möglicherweise ein bundeseinheitliches Resozialisierungsgesetz helfen, nach dem niemand ohne gesicherte Existenzgrundlage einschließlich Wohnraumversorgung aus einer Strafhaft entlassen werden darf. Bei bestimmten Tätergruppen scheint der Bevölkerung eine Wiedereingliederung nicht vorstellbar und auch nicht gewünscht. Die sollten doch am besten ganz verschwinden. Wegsperren und zwar für immer, war dafür eine politische Formel, die sich glücklicherweise nicht durchgesetzt hat. Sie ließe sich auch mit der Grundhaltung christlicher Straffälligenhilfe nicht vereinbaren.

Eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe hat ein hohes Aktivierungspotential, weil sie die gesamte Gesellschaft angeht. Am Ende der Fachwoche haben wir uns vielleicht darüber verständigt, wer damit gemeint ist und was wir brauchen um diese Aufgabe zu lösen. Wir wollen uns in der diesjährigen Fachwoche dem hohen Anspruch einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe, in diesem Fall der Wiedereingliederung straffällig gewordener Menschen und vor allem entlassener Strafgefangener stellen und laden andere Akteure herzlich ein, gemeinsam mit uns als christlicher Straffälligenhilfe diese Aufgabe in der Öffentlichkeit bekannt zu machen und dafür Mitstreiter zu gewinnen.

Die Fachwoche 2016 ist eine Kooperationsveranstaltung des „Evangelischen Bundesfachverbandes Existenzsicherung und Teilhabe e.V. (EBET)“ und der „Katholischen Bundes-Arbeitsgemeinschaft Straffälligenhilfe im Deutschen Caritasverband (KAGS)“.